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By E. Bay

Die Agnosie nimmt in der klassischen Hirnpathologie eine ganz bestimmte Stelhmg ein, die allein durch die prinzipielle Bedeutung dieser a. n sich seltenen StOrung verstandlich gemacht wird. Zusammen mit der Apraxie, der Aphasie und spezielleren Starungen wie Alexie, Akalkulie usw. bildet sie in der klassischen Lokalisationslehre eine eigentiimliche Zwischenschicht zwischen den, elementaren," sozusagen auf physiologischer Ebene liegenden Lahmungen, sensiblen und sen sorischen Starungen, die an bestimmte, einigermaBen genau definierte anato mische Substrate gekniipft sind, und zwischen den hachsten AuBerungen seelischer Tatigkeit, die sich jedenfalls bisher einer anatomischen und physiologischen Be trachtungsweise weitgehend entziehen. Dabei gehart diese Zwischenschicht und mit ihr die Agnosie zweifellos in den Bereich der psychischen Leistungen, aber - und das macht ihre Bedeutung aus - diese Leistungen werden an umschrie bener Stelle des Gehirns lokalisiert gedacht. Wenn diese Annahme richtig ware, so wiirde dies beweisen, daB psychische V organge in einzelne, isolierte Elemente zerlegbar, und diese elementaren psychischen Funktionen isoliert und im Gehirn lokalisiert werden kannen, das dann zu einem Konglomerat vieler Einzelorgane fiir diese verschiedenen seelischen Elementarfunktionen wiirde. Fiir diese Denk richtung, die die klassische Hirnpathologie beherrscht vom ersten Versuch Galls iiber Meynerts Lehrbuch der Psychiatrie mit dem Untertitel "Klinik der Erkran 121 kungen des Vorderhirns " bis zur Vollendung in der Hirnkarte Kleists101, ist die Agnosie in der Tat von unersetzlicher Wichtigkeit.

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Vorbereitung des Patienten zu Anästhesie und Operation: Risikoerfassung, optimierende Therapie Prämedikation 3. Internationales Erlanger Anästhesie-Symposion 2. bis 5. Juli 1986

Das Anästhesierisiko ist zahlenmäßig gering, wegen seiner zumeist schwerwiegenden Folgen aber von großer Bedeutung. Deshalb ist in jedem Einzelfall abzuwägen, ob die Belastung durch Anästhesie und Operation in einem angemessenen Verhältnis zur individuellen Belastbarkeit des Patienten steht. Der Anästhesist muß versuchen, die Risiken soweit wie möglich in Maß und Zahl zu fassen und durch eine optimierende Therapie zu verbessern.

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B. h. ,,820". Dem· gegeniiber beschranken sich die sicher optischen Storungen auf eine konzentrische Gesichtsfeldeinengung urn maximal 15°. Wir konnen deshalb Wolpert nach seinen eigenen Protokollen nicht in der Auffassung folgen, daB es sich bei dem Kranken urn eine einzelsinnige, nur in der optischen Auffassung gelegene Storung handelt. Es besteht vielmehr eine viel allgemeinere Storung des Sinnerfassens im Rahmen einer Aphasie, durchaus im Sinne Heads. Bei dieser kann als Nachbarschafts· symptom eirte hemianopische Storung auftreten (bei 2 von 6 Fallen Heads); sie beeinfiuBt aber das Gesamtbild in keiner Weise.

8-20 g 0,8 em gestort Sei. 8-15 g 0,5--0,75 em intakt Nimmt nur Eeken wahr Erkennt nur geometrisehe Korper Gegenstande teilweise erkannt Gegenstande teilweise erkannt Gegenstande meist erkannt Nr. Name 1 2 Alt. Zed. 20 g 20 g 3 Sla. 4 5 Beriihrungsschwelle Diskriminationsschwelle des Tasterkennens eine unmittelbare und ausschlieBlich Folge der sensiblen SUirungen ist. Eine mnestisch-assoziative Starung im Sinne einer taktilen Agnosie liegt bei ihnen nicht vor. Damit erhebt sich aber die Frage, ob denn die Faile der Literatur, auf denen sich die Theorie der taktilen Agnosie aufbaut, einer kritischen Nachpriifung standhalten.

Goldstein in weitestem Umfang theore~isch ausgedeutet wurde, erfuhr von Anfang an eine erhebliche Kritik. Poppelreuter 140 polemisierte gegen die Auffassung des Falles als Agnosie und schon Lange llO bezweifelt die Zuverlassigkeit der Angaben Schneis unter Hinweis auf die in den Befunden enthaltenen Widerspruche. Wir haben bei einer eigenen Nachuntersuchung des Patienten die Zweifel Langes voll bestatigt gefunden. Der Fall wird spater noch ausfUhrlich besprochen (S. e Agnosie liegt bei ihm nicht vor.

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